Immobilienfinanzierung: Bonität, Kosten und Sicherheiten
Lernen Sie die Grundlagen der Immobilienfinanzierung: Von der Bonitätsprüfung und Haushaltsrechnung bis zu Gesamtkosten, Finanzierungsplan und Kreditsicherheiten.
Immobilienfinanzierung
Bonitätsprüfung · Gesamtkosten · Finanzierungsplan · Kreditsicherheiten
Finanzierung 1 | Schulungsunterlage
Inhaltsübersicht
Bonitätsprüfung
Kreditfähigkeit & Kreditwürdigkeit, Haushaltsrechnung
Gesamtkosten
Kauf, Neubau, Umfinanzierung
Finanzierungsplan
Eigenmittel & Fremdmittel, Fremdmittelbedarf
Kreditsicherheiten
Grundpfandrechte, Ersatz- & Zusatzsicherheiten
01
Bonitätsprüfung
Kreditfähigkeit · Kreditwürdigkeit · Haushaltsrechnung
Bonitätsprüfung – Grundsatz
Die Bonitätsprüfung umfasst:
Haushaltsrechnung
(Einnahmen ggü. Ausgaben), Kapitaldienstfähigkeit
Überprüfung bisheriges Zahlungsverhalten
(Rückstände)
Auswertung externer Auskünfte
(SCHUFA, Creditreform)
Ermittlung einer internen Scoreklasse
Kreditfähigkeit
Natürliche Person ab 18. Lebensjahr. Minderjährige benötigen Zustimmung des Familiengerichts.
Kreditwürdigkeit
Unterscheidung in persönliche und materielle Kreditwürdigkeit. Prüfung schützt Darlehensgeber UND Kunden.
Wichtig:
Die Bonitätsprüfung muss ergeben, dass es wahrscheinlich ist, dass der Darlehensnehmer seine Verpflichtungen vertragsgemäß nachkommen wird.
Kreditwürdigkeit
Persönliche Kreditwürdigkeit
Gegeben wenn der Kunde Vertrauen genießt durch:
Ehrlichkeit, Fleiß, Zuverlässigkeit
Berufliche Stellung
Bisheriges Zahlungsverhalten
Ansparen von Eigenmitteln
Pünktliche Erfüllung von Zahlungsverpflichtungen (Darlehen, Versicherungen)
Materielle Kreditwürdigkeit
Gegeben wenn der Kunde in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt:
Von Einkommens- und Vermögensverhältnissen abhängig
Prüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse
Berechnung ob Zins- und Tilgungsbeiträge langfristig tragbar
Entscheidend: nachhaltig erzielbares Familiennettoeinkommen
Belegt durch aktuelle Einkommensnachweise
Externe Kreditauskunft: SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) | Creditreform — nur mit schriftlichem Auftrag des Kunden
Kreditauskünfte im Überblick
SCHUFA-Auskunft
Bei jeder Darlehensprüfung anzufordern (Bausparer, Ehepartner, Bürgen, Mitschuldner)
Ausnahme: Minderjährige
www.schufa.de
Büroauskunft / Wirtschaftsauskunft / Handelsauskunft
Zusätzlich bei Selbstständigen und Freiberuflern
Auch bei Angestellten im Familienbetrieb
Ausnahme: Blankodarlehen und ZK im Rahmen des Guthabens
www.creditreform.de
Bankauskunft
Wird normalerweise nicht angefordert
Kunde kann Zahlungsweise durch Kreditkontoauszug belegen
Anfrage beim Amtsgericht / Schuldnerverzeichnis
Wird bei Kreditneuvergaben nicht eingeholt
Möglichkeit zur Prüfung bei Informationen aus SCHUFA/Wirtschaftsauskunft
Haushaltsrechnung
Die wichtigste Frage: Reicht das Einkommen des Kunden aus, um neben den Ausgaben des täglichen Lebens auch noch die Raten einer Baufinanzierung langfristig zu tragen?
Summe der nachhaltigen Einnahmen (Lohn, Gehalt, Kindergeld …)
Summe der verpflichtenden Ausgaben (z.B. Darlehen, Unterhalt …)
Selbstbehalt / Haushaltspauschale (vom Kreditinstitut festgelegt)
Die noch mögliche Darlehensrate für die neue Finanzierung
Haushaltspauschale Regelsatz
1-Personen-Haushalt:
890,– €
2-Personen-Haushalt:
1.230,– €
Je weitere Person (z.B. Kind):
+ 255,– €
Erhöhter Satz Fremdnutzung:
1.340,– € / 1.680,– €
Achtung: Immer die aktuellste Version des Bonitätsbogens verwenden!
Schulungsunterlage | Haushaltsrechnung
Ermittlung der monatlichen Einnahmen
Ansetzbare Einnahmen
Nicht ansetzbare Einnahmen
Hinweis zur Einkommensermittlung: Maßgebend ist das monatliche Nettoeinkommen. Berechnet aus Brutto abzgl. Lohnsteuer, KV, RV, AV.
Monatliche Ausgaben – Haushaltspauschale
Der größte Teil der Einkünfte wird für den Lebensunterhalt verwendet. Bei der Bonitätsprüfung werden Ausgaben mit Pauschalbeträgen berücksichtigt.
In der Haushaltspauschale enthalten (Ja)
Nahrungs- und Genussmittel, Kleidung, Körperpflege
Hausrat, Rücklagen für Hausrat
Belastungen aus Raten-/Konsumentenkrediten (Restlaufzeit > 6 Monate)
Versicherungsbeiträge (Haftpflicht, Hausrat)
Beiträge zur privaten Krankenversicherung
Bürgschaften für Dritte (Darlehensrate)
Kultur und Unterhaltung (Zeitung, Kino, Theater)
Versicherungsbeiträge als Tilgungsersatz
Bewirtschaftungskosten der eigengenutzten Immobilie
Nicht in Pauschale enthalten (Nein – separat ansetzen)
Unterhaltszahlungen (Scheidung, nichteheliche Kinder)
Belastungen aus W&W- und dinglich gesicherten Krediten
Eigene Miete (wenn Darlehensnehmer nach Abschluss Mieter bleibt)
Heizkosten
Ver- und Entsorgungsgebühren (Wasser, Strom, Müll, TV, Telefon)
Ausgaben für Kfz (Versicherung, Steuer, Treibstoff, Rücklagen)
Sonstige Ausgaben (Urlaub, Hobby, Vereinsbeiträge)
Erbbauzins
02
Gesamtkosten
Kauf · Neubau · Umfinanzierung · Erwerbsnebenkosten
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Gesamtkosten – Kauf (ggf. mit Modernisierung)
Achtung
Im Kaufvertrag enthaltene Kosten für übernommene Einrichtungsgegenstände (Küche, Einbauschrank) müssen aus dem Kaufpreis herausgerechnet werden!
Modernisierungen
Eine wertsteigernde Modernisierung ergibt einen höheren Immobilienwert. Reparaturen/Renovierungen wirken sich NICHT wertsteigernd aus.
Gesamtkosten – Neubau
(Herstellungs-/Gestehungskosten)
100.000 €
20.000 €
3.500 €
(5.000 €)
2.000 €
3.570 €
207.000 €
8.000 €
9.315 €
353.385 €
Kosten, um ein Grundstück baureif zu machen (Straßenbau, Vermessung, Kanalisation, Elektrizität, Gas- und Wasserversorgung bis zur Grundstücksgrenze).
Kalkulation | Baufinanzierung
Indirekte Erwerbsnebenkosten & Effektiver Jahreszinssatz
Indirekte Erwerbsnebenkosten
Bei jeder Immobilienfinanzierung fallen indirekte Erwerbsnebenkosten an. Sie sind aus <strong>Eigenmitteln</strong> zu finanzieren!
<strong>Bearbeitungsgebühren</strong> <span style="font-size:18px; color:#6E6862;">(z.B. Kontogebühr, Abschlussgebühr bei Bausparkassen und Vorfinanzierungen)</span>
<strong>Bauzeitzinsen</strong>
<strong>Bereitstellungszinsen</strong>
<strong>Teilvalutierungszuschläge</strong> <span style="font-size:18px; color:#6E6862;">(Teilauszahlungsaufschläge)</span>
<strong>Zwischenfinanzierungszinsen</strong>
<strong>Disagio / Agio</strong>
<strong>Notar- und Grundbuchkosten</strong> <span style="font-size:18px; color:#6E6862;">(Grundschuldbestellung und Eintragung Grundpfandrechte)</span>
<strong>Finanzierungsvermittlungsgebühren</strong>
Effektiver Jahreszinssatz
Gibt nach PAngV die tatsächlichen Kreditkosten als jährlichen Prozentsatz des Nettodarlehensbetrages an.
Der effektive Jahreszins beinhaltet:
<strong>Sollzinsen</strong>
<strong>Kosten für die Führung</strong> des Darlehenskontos
<strong>Kosten für eine Immobilienbewertung</strong>
Muss von Banken bei der Bewerbung von Kreditangeboten ausgewiesen werden.
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03
Finanzierungsplan
Eigenmittel · Fremdmittel · Fremdmittelbedarf · Finanzierungsaufstellung
Die Finanzierungsmittel
In finanzierungstechnischer Hinsicht stellen die Gesamtkosten den Finanzierungsbedarf dar. Dieser wird gedeckt durch Eigenmittel und Fremdmittel.
Hinweis: Fremdmittel werden häufig (fälschlicherweise) als 'Finanzierungslücke' bezeichnet.
Die Eigenmittel
Eigenkapital:
Bargeld oder Bankguthaben
Bausparguthaben
Sonstige Geldanlagen (Wertpapiere …)
Bezahltes Baugrundstück / bezahltes Baumaterial
Eigenleistungen (Arbeitsleistungen)
Die Fremdmittel
Darlehen von Kreditinstituten
Darlehen von Lebensversicherungen
Darlehen von Bausparkassen
Förderkredite
Arbeitgeberdarlehen
(nicht oder nachrangig im Grundbuch, niedrig verzinst)
Verwandtendarlehen
(nicht oder nachrangig im Grundbuch, niedrig verzinst)
Finanzierungsaufstellung & Fremdmittelbedarf
Die Finanzierungsaufstellung – Im Gespräch zu klären
Wie viel Eigenmittel hat der Kunde? Wie viel kann eingesetzt werden?
Welches Vorhaben plant er? Wann Vorhaben realisieren?
Nutzung der Immobilie (Eigen- oder Fremdnutzung)?
Wie hoch sind die Gesamtkosten?
Welche Einnahmen / Ausgaben?
Fremdmittel woanders?
Was sind seine Ziele/Wünsche (Wunschrate, Laufzeit, Weiteres Vermögen)?
Wer Wohneigentum erwerben will:
Neu-/Altbau kaufen (Käufer) | neu bauen (Bauherr) | Erbschaft/Schenkung/Zwangsversteigerung
Wer bereits Wohneigentum besitzt:
Modernisierung/Sanierung/Renovierung | Anbau/Umbau | Umfinanzierung
Beispiel Fremdmittelbedarf
Gesamtkosten für den Kauf
224.025 €
– selbst bezahlte Erwerbsnebenkosten
– 19.025 €
– Eigenkapital:
Guthaben Sparkonto
– 10.000 €
Guthaben Bausparvertrag
– 16.000 €
Eigenleistung Modernisierung
– 10.000 €
= Fremdmittelbedarf
169.000 €
Je höher der Eigenmittelanteil, desto solider ist die Finanzierung. Im Familienheimbereich ist eine Finanzierung ganz ohne Eigenmittel in der Regel nicht darstellbar.
04
Kreditsicherheiten
Grundpfandrechte · Blankodarlehen · Ersatz- & Zusatzsicherheiten
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Kreditsicherung – Grundsatz & Grundpfandrechte
Grundsatz
Immobiliardarlehen werden in der Regel durch eine sofort vollstreckbare Brief- oder Buchgrundschuld gesichert. Auf Sicherung durch Grundpfandrechte kann verzichtet werden, wenn ausreichend andere Sicherheiten (Ersatzsicherheiten) gestellt werden.
Besonderheiten bei Bausparkassen (§7 Abs. 4 BauSparkG)
Bausparkassen dürfen unter bestimmten Voraussetzungen auch Darlehen ohne dingliche Sicherheiten bereitstellen:
Negativdarlehen (Kleindarlehen gegen Verpflichtungserklärung)
Blankodarlehen
Gesetzlicher Höchstbetrag: 50.000,– € für alle Negativ-/Blankodarlehen
Blankodarlehen
Bonität und Glaubwürdigkeit des Kunden stehen im Vordergrund
Wenn kein Negativdarlehen besteht und 50.000 € nicht überschritten
Keine Darlehenssicherung — nur Arbeitseinkommen/Sozialleistungen werden abgetreten
Voraussetzung: mind. 3 Monate seit Darlehensvergabe des besicherten Darlehens
Negativdarlehen (Kleindarlehen)
"Verpflichtungserklärung" = Darlehensnehmer und Grundstückseigentümer verpflichten sich, das Beleihungsobjekt ohne Zustimmung weder zu veräußern noch zu belasten
Zusätzlich werden Arbeitseinkommen/Sozialleistungen (pfändbarer Teil) abgetreten
Ersatz-, Zusatz- & Übergangssicherheiten
Ersatzsicherheiten
Wenn auf Grundpfandrecht verzichtet wird und Darlehen durch andere ausreichende Sicherheit gesichert wird:
Abtretung von Guthaben
Verpfändung von Versicherungsansprüchen (Lebensversicherungen)
Verpfändung von Wertpapieren (z.B. Fonds, Aktien)
Bürgschaften: selbstschuldnerische Bürgschaft / Ausfallbürgschaft / Höchstbetragsbürgschaft
Wüstenrot akzeptiert:
100% Spargeldforderungen (BSG, BSW, Festgeld, Sparbriefe)
80% Kapitallebensversicherungen mit Police
100% Bürgschaften von inländ. Gemeinden / Bund / öffentl.-rechtl. KIs
100% Ausfallbürgschaften von inländ. Gemeinden / Bund / öffentl.-rechtl. KIs
Zusatzsicherheiten
Das Darlehen ist voll durch Grundpfandrecht gesichert. Zusätzliche Sicherheit kann notwendig sein wenn:
Darlehen teilweise außerhalb der Beleihungsgrenze liegt
Beleihungsobjekt schwer verwertbar ist
Andere Risikomomente erkennbar sind
Ein besserer Darlehenszins erreicht werden soll
→ Gleiche Sicherheiten wie bei Ersatzsicherheiten
Übergangssicherheiten
Wenn der Bestellung von Grundpfandrechten vorübergehend Hindernisse entgegenstehen.
Alle zulässigen Ersatzsicherheiten sind auch als Übergangssicherheiten geeignet
Unter bestimmten Voraussetzungen: weitere spezielle Übergangssicherheiten, z.B. Notarbestätigung
Zusammenfassung
01
Bonitätsprüfung
<strong>Kreditfähigkeit</strong> (ab 18 J.) + <strong>Kreditwürdigkeit</strong> (persönlich & materiell).<br><br><strong>Haushaltsrechnung:</strong> Einnahmen − Ausgaben − Haushaltspauschale = mögliche Darlehensrate.<br><br><strong>Externe Auskünfte:</strong> SCHUFA, Creditreform.
02
Gesamtkosten
<strong>Kauf:</strong> Kaufpreis + direkte Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler) + Modernisierung.<br><br><strong>Neubau:</strong> Grundstück + Erschließung + Bau + Außenanlagen.<br><br><span style="color: #8B1A1A; font-weight: 600;">Indirekte Kosten aus Eigenmitteln!</span>
03
Finanzierungsplan
<strong>Gesamtkosten =</strong> Eigenmittel + Fremdmittel.<br><br><strong>Fremdmittelbedarf =</strong> Gesamtkosten – Eigenmittel – selbst bez. Nebenkosten.<br><br><i>Je höher der Eigenmittelanteil, desto solider die Finanzierung.</i>
04
Kreditsicherheiten
<strong>Regel:</strong> Brief- oder Buchgrundschuld.<br><br><strong>Ausnahmen:</strong> Blankodarlehen / Negativdarlehen (max. 50.000 €).<br><br><strong>Möglich:</strong> Ersatz-/Zusatz-/Übergangssicherheiten (Guthaben, LV, Wertpapiere, Bürgschaften).
Finanzierung 1 | Schulungsunterlage — Wüstenrot Bausparkasse AG
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