Haushaltswesen & Beschaffung: Einführung für Verwaltung
Didaktische Einführung in das Haushaltsrecht (LHO), Haushaltsgrundsätze, Aufstellungsphasen und Vergabeverfahren für Verwaltungsauszubildende.
Haushaltswesen und Beschaffung
Eine didaktische Einführung für Verwaltungsauszubildende
Agenda & Fahrplan
1. Rechtsgrundlagen<br>2. Haushaltsgrundsätze (Die 8 Säulen)<br>3. Haushaltsaufstellung (12 Schritte)<br>4. Die Haushaltslose Zeit (VHF)<br>5. Veränderung von Ansprüchen
6. Deckungsfähigkeit<br>7. Bruttonachweis<br>8. Vergabe & Beschaffung<br>9. Praktische Fallbeispiele<br>10. Prüfungsvorbereitung
Rechtsgrundlagen
Die hierarchische Struktur des Haushaltsrechts
Gesetze im Detail
<table style='width:100%; border-collapse:collapse; font-size:24px;'><thead><tr style='background:#1a2c4e; color:white; text-align:left;'><th style='padding:20px;'>Ebene</th><th style='padding:20px;'>Gesetz</th><th style='padding:20px;'>Inhalt</th></tr></thead><tbody><tr style='border-bottom:1px solid #ddd;'><td style='padding:20px; font-weight:bold;'>Bund</td><td style='padding:20px;'>Artikel 111 GG</td><td style='padding:20px;'>Regelung bei Haushaltslosigkeit (Notfall)</td></tr><tr style='border-bottom:1px solid #ddd;'><td style='padding:20px; font-weight:bold;'>Bremen</td><td style='padding:20px;'>LHO / VV-LHO</td><td style='padding:20px;'>Grundgesetze für Haushalt, Kasse & Rechnung</td></tr><tr style='border-bottom:1px solid #ddd;'><td style='padding:20px; font-weight:bold;'>Vergabe</td><td style='padding:20px;'>TtVG</td><td style='padding:20px;'>Tariftreue- und Vergabegesetz</td></tr><tr style='border-bottom:1px solid #ddd;'><td style='padding:20px; font-weight:bold;'>Kommune</td><td style='padding:20px;'>VerfBrhv §§ 64-65</td><td style='padding:20px;'>Haushaltssatzung und konkreter Plan</td></tr></tbody></table>
Die 8 Haushaltsgrundsätze
Das Fundament für jeden ordentlichen Haushalt nach LHO.
1. Grundsatz der Vorherigkeit
Der Haushaltsplan <b>MUSS</b> vor Beginn des Haushaltsjahres beschlossen sein.<br><br><b>Ziel:</b> Rechtssicherheit, Planbarkeit<br><b>Rechtsnorm:</b> § 1 LHO<br><br><i>Was passiert bei Verzug? → Vorläufige Haushaltsführung (Notbetrieb)</i>
2. Wirtschaftlichkeit & Sparsamkeit
Nicht 'billigst', sondern 'best'!
3. Grundsatz der Gesamtdeckung
Einnahmen + Kredite = Ausgaben
4. Vollständigkeit & 5. Fälligkeit
<ul><li><b>Vollständigkeit (§ 11 LHO):</b> Alles rein, nichts raus! Keine 'Schattenhaushalte'. Transparenz für Bürger und Politik.</li><br><li><b>Fälligkeit (§ 11 LHO):</b> Erfasst wird, wenn es rechtlich/wirtschaftlich entsteht, nicht erst bei Zahlung.</li></ul>
7. Bruttoveranschlagung (§ 35 LHO)
Ausgaben und Einnahmen müssen getrennt und vollständig gebucht werden.
<b>Falsh (Netto):</b><br>550€ Gebühr - 100€ Erstattung = 450€ gebucht.<br><br><b>Richtig (Brutto):</b><br>+ 550€ Ausgabe<br>- 100€ Einnahme<br>-----------------<br>Klarheit & Wahrheit
8. Deckungsfähigkeit (§ 20 LHO)
<b>Problem:</b> Titel A hat Geld übrig, Titel B braucht Geld.<br><b>Lösung:</b> Flexible Verschiebung unter Voraussetzungen.
Die zwei Arten der Deckung
<b>Einseitig (Einbahnstraße)</b><br>A → B (B kann A nicht decken)<br><i>Zweckgebundene Mittel</i>
<b>Gegenseitig (Uneingeschränkt)</b><br>A ↔ B (Flexible Bewirtschaftung)<br><i>Verwaltungskosten</i>
Haushaltsaufstellung: Der 12-Schritte-Prozess
Phase 1 & 2: Vorbereitung & Entwürfe
<b>Schritte 1-4 (Sep-Nov):</b><br>1. Magistrat setzt Eckwerte (Rahmenvorgaben).<br>2. Fachbereiche erstellen Teilentwürfe (Schule, Bau, Soziales).<br>3. Stellenplan wird geprüft (Personal).<br>4. Kämmerer erstellt Gesamtentwurf I.
Phase 3: Politische Umsetzung
<b>Schritte 5-7 (Dezember):</b><br>5. Erste Lesung in der Stadtverordnetenversammlung.<br>6. Diskussion der Änderungsanträge (Parteien verhandeln).<br>7. <b>Beschluss</b> der Satzung und des Plans (Ziel: vor 31.12.).
Phase 4: Genehmigung & Kraft
<b>Schritte 8-12 (Jan-März):</b><br>8. Vorlage bei der Aufsichtsbehörde (Land/Regierungspräsidium).<br>9. Prüfung auf Rechtmäßigkeit & Ausgleich.<br>10. Genehmigung (ggf. mit Auflagen).<br>11. Öffentliche Bekanntmachung.<br>12. <b>Inkrafttreten</b> (Rückwirkend zum 01.01.).
Die Haushaltslose Zeit (VHF)
Was passiert, wenn der Haushalt nicht pünktlich beschlossen wird?
⚠️ NOTBETRIEB nach Art. 111 GG
Was ist erlaubt?
1. <b>Gesetzliche Pflichten:</b> Sozialhilfe, Gehälter.<br>2. <b>Rechtliche Verpflichtungen:</b> Bestehende Verträge.<br>3. <b>Weiterführung:</b> Begonnene Bauprojekte.<br>4. <b>Sicherheit:</b> Feuerwehr, Polizei.<br>5. <b>Betriebserhaltung:</b> Strom, Wasser, Heizung.
Was ist verboten?
❌ <b>Neue</b> freiwillige Maßnahmen.<br>❌ Neue Investitionen ohne Rechtsgrundlage.<br>❌ Stellenneubesetzungen (oft gesperrt).<br>❌ Erhöhung von freiwilligen Zuschüssen.
Veränderung von Ansprüchen
Wenn Bürger der Stadt Geld schulden, gibt es drei Instrumente nach § 59 LHO.
1. Stundung
<b>Definition:</b> Hinausschieben der Fälligkeit.<br><b>Voraussetzung:</b> Erhebliche Härte (vorübergehend), Anspruch nicht gefährdet.<br><b>Beispiel:</b> Bürger ist kurzzeitig arbeitslos, zahlt später in Raten+Zinsen.
2. Niederschlagung
<b>Definition:</b> Vorläufiger oder dauerhafter Verzicht auf Weiterverfolgung (Verwaltungsakt).<br><b>Grund:</b> Unwirtschaftlichkeit oder Erfolglosigkeit.<br><b>Beispiel:</b> Schuldner unbekannt verzogen. Kosten der Eintreibung > Forderung.
3. Erlass
<b>Definition:</b> Endgültiger Verzicht.<br><b>Voraussetzung:</b> Existenzgefährdung (persönlich/sachlich unbillig).<br><b>Beispiel:</b> Rentner in Pflegeheim, zahlungsunfähig, keine Aussicht auf Besserung.
Vergabe und Beschaffung
Der Einkauf der öffentlichen Hand.
1. Wettbewerb<br>2. Transparenz<br>3. Wirtschaftlichkeit<br>4. Gleichbehandlung
Die Schwellenwerte
Welches Verfahren muss ich wählen?
Die 6 Vergabeverfahren
<div style='display:grid; grid-template-columns:1fr 1fr; gap:40px; font-size:26px;'><div style='background:#f4f4f4; padding:30px; border-radius:10px;'><b>1. Öffentliche Ausschreibung</b><br>Der Standard. Alle dürfen bieten.</div><div style='background:#f4f4f4; padding:30px; border-radius:10px;'><b>2. Beschränkte Ausschr. (Teilnahmewettbewerb)</b><br>Erst Bewerbung, dann Auswahl.</div><div style='background:#f4f4f4; padding:30px; border-radius:10px;'><b>3. Beschränkte Ausschr. (ohne TW)</b><br>Nur geladene Firmen (bei Dringlichkeit).</div><div style='background:#f4f4f4; padding:30px; border-radius:10px;'><b>4. Verhandlungsvergabe</b><br>Freies Verhandeln (z.B. Innovationen).</div><div style='background:#f4f4f4; padding:30px; border-radius:10px;'><b>5. Vergleichsangebote</b><br> UVgO § 5 Abs 1: 3-5 Angebote einholen.</div><div style='background:#dff9fb; padding:30px; border-radius:10px; border:2px solid #2ecc71;'><b>6. Direktvergabe</b><br>Bis 3.000€ (oder 5.000€ Bau). Sofortkauf.</div></div>
Entscheidungshilfe
Unter 3k? → Direkt. | Komplex? → Verhandlung. | Standard? → Öffentlich.
Praktische Fallbeispiele
Anwendung des Gelernten
Fall A: Kopierpapier
<b>Situation:</b> Papier ist leer. Büro steht still.<br><b>Bedarf:</b> 10 Kartons à 25€.<br><b>Gesamtwert:</b> 250€.<br><b>Dringlichkeit:</b> Sofort.
Lösung Fall A
DIREKTVERGABE (§ 14 UVgO / § 5 TtVG)
1. Wert unter 3.000€ (Geringfügig).<br>2. Wirtschaftlichkeit: Ausschreibungsaufwand (500€) wäre höher als Warenwert (250€).<br>3. Keine Diskriminierung bei einmaligem Kauf.
Fall B: Dienstfahrzeuge
<b>Situation:</b> 5 neue E-Autos für das Bauamt.<br><b>Schätzwert:</b> 95.000€.<br><b>Markt:</b> Viele Anbieter (VW, Kia, Renault...).
Lösung Fall B
VERGLEICHSANGEBOTE (§ 5 Abs 1 UVgO)
1. Wert zwischen 3.000€ und 100.000€.<br>2. Verhältnismäßigkeit: Öffentliche Ausschreibung zu aufwendig.<br>3. Vorgehen: 3-5 Händler anschreiben, Frist setzen (2 Wochen), Günstigstes Angebot wählen.
Bewertungsmatrix Fall B
Prüfungsvorbereitung
<ul><li>Rechtsgrundlagen immer nennen (§ 59 LHO, § 14 UVgO).</li><li>Rechenweg bei Matrix aufzeigen.</li><li>Fachbegriffe korrekt nutzen (z.B. 'Deckungsfähigkeit' statt 'Geld verschieben').</li><li>Zeitmanagement: Nicht zu lange bei Multiple Choice verweilen.</li></ul>
Viel Erfolg!
Fragen?
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