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Antiziganismus: Chronik der Roma von Indien bis Heute

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Sinti und Roma: Von den indischen Wurzeln über den Porajmos bis hin zur modernen Bürgerrechtsbewegung.

#roma-geschichte#antiziganismus#porajmos#sinti-und-roma#menschenrechte#diskriminierung#europäische-geschichte
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ANTIZIGANISMUS

Chronik der Roma

Von Indien bis in die Gegenwart

Roma bedeutet: Menschen

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01

Identität, Sprache & Herkunft

Wer sind die Roma? Woher kommen sie?

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Wer sind die Roma?

Roma Flag

Flagge der Roma

Hymne: Djelem, Djelem

Der Name Roma

Roma bedeutet in Romanes: Menschen. Eigenbenennung – kein Fremdwort.

Sinti & Roma

Sinti: seit dem 15. Jh. in West- und Mitteleuropa. Roma: Oberbegriff aller Romanes-sprechenden Gruppen. Jenische: eigene fahrende Gruppe in DACH und Frankreich.

Weltweite Verbreitung

8–10 Millionen Roma weltweit. Mehrheit in Osteuropa, ca. 2 Mio. in Rumänien. Auch in Amerika und Australien.

Flagge & Hymne

Flagge: rotes Rad (Chakra) auf blau-grünem Grund. Hymne: Djelem, Djelem

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Sprache: Romanes & das Schimpfwort

Romanes – Indische Wurzeln

Im 18. Jh. erkannt: Romanes eng verwandt mit Sanskrit. Übereinstimmungen mit Dialekten Nordwestindiens.

Lehnwörter zeigen den Migrationsweg

Persisch, Türkisch, Griechisch, Slawisch im Romanes. Belegen Stationen: Persien → Türkei → Balkan → Europa.

Sprachliche Unterdrückung

Kaiser Josef II. verbot 1783 den Gebrauch des Romanes. Strafe: 24 Stockschläge bei Zuwiderhandlung.

Der Begriff »Zigeuner«

Abgeleitet von griechisch: Atsinganoi = die Unberührbaren. Für viele Sinti & Roma: ein Schimpfwort, verbunden mit Gewalt und Verfolgung.

Migration Route Map
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02
INDIEN EUROPA

Herkunft aus Indien & Ankunft in Europa

800–1500 n. Chr.

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Migration Map

Die Wanderung aus Indien

Ursprung: Nordwestindien

Zwischen 800 und 1000 n. Chr. Verlassen der Heimat. Vermutlich infolge kriegerischer Vertreibungen.

Der lange Weg nach Europa

Via Persien → Türkei → Griechenland → Balkan → Mitteleuropa. Einige Gruppen über Russland nach Skandinavien.

Nomadischer Lebensstil

Fahrende Schmiede, Händler, Musiker, Schausteller. Flucht vor Krieg und Suche nach Erwerb als Motive.

Vergessene Herkunft

Die Wanderung war so langsam, dass das Wissen um den indischen Ursprung in mündlicher Überlieferung verloren ging.

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Decorative Background

Ankunft in Europa – gesicherte Daten

1346 Roma in Korfu
1378 Roma in Zagreb
1407 Roma in Hildesheim erste Belege im deutschsprachigen Raum
1418 Roma in Zürich und Graubünden
1422 Roma in Bologna
1427 Roma in Paris
1447 Roma in Barcelona
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Medieval Document

Der Geleitbrief Kaiser Sigismunds

1423 — Erster kaiserlicher Schutzbrief für Roma

🛡️

Kaiserlicher Schutz

Sigismund stellte Anführer Ladislaus Waynoda unter kaiserlichen Schutz. Garantierte eigene Gerichtsbarkeit.

🤝

Erste positive Aufnahme

Chronisten: Roma erschienen als wohlhabend, mit stattlichen Pferden. Zunächst gastfreundlich empfangen.

⚠️

Aber: Toter Buchstabe

Schutz wurde von lokalen Behörden kaum umgesetzt. Stimmung schlug rasch um — Neid der Zünfte, Türkenangst.

"Der erste Schutz – und sein schnelles Scheitern."

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Background Chains and Wheel
03

Erste Verfolgungswellen in Europa

15. bis 17. Jahrhundert

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Vom Schutz zur Vogelfreiheit

15.–16. Jahrhundert: Ächtung & staatliche Gewalt

Neid & Konkurrenz

Zünfte sahen Roma als Konkurrenz. Kein Platz in der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Diffamierung als Spione des Sultans. Wachsende Türkenangst richtete sich gegen Roma.

Reichstage Lindau & Freiburg (1497/1498)

Sinti und Roma offiziell für vogelfrei erklärt. Gewalt gegen sie galt als kein Unrecht mehr — straffreie Tötung möglich.

Martin Luther (1543)

Forderte in 'Von den Juden und ihren Lügen' Sinti & Roma für vogelfrei zu erklären. Warf ihnen fälschlich Kinderdiebstahl und Brunnenvergiftung vor.

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Staatliche Grausamkeiten

17. Jahrhundert — Europa

Frankreich unter Ludwig XIV. (1682)

Männer lebenslang als Rudersklaven auf Kriegsgaleeren. Frauen kahl geschoren. Kinder in Armenhäuser deportiert.

01

Warntafeln an Grenzen (»Zigeunerstrafe«)

1. Vergehen: Auspeitschen, Brandmarkung, Landesverweis. 2. Vergehen: Aufhängen oder Rädern ohne Gerichtsverfahren.

02

Spanien — Carlos II. & Felipe V.

König Carlos II. (1695): nomadische Gitanas zum Tod verurteilt. König Felipe V. (1749): Augenausstechen bei Nomaden befohlen.

03

Bayern 1516

Fahrende offiziell für vogelfrei erklärt. Jeder durfte Roma ohne Gerichtsverfahren töten.

04
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04

Zwangsassimilation &
Identitätsraub

18. Jahrhundert

Politik der erzwungenen Anpassung

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Politik der erzwungenen Anpassung

18. Jahrhundert — Maria Theresia & Josef II.

Maria Theresia & Josef II.

Roma wurden in »Neubauern« umbenannt. Eigene Sprache und Kleidung verboten.

Systematischer Kinderraub ab 1773

27. November 1767: Befehl zur Wegnahme aller Kinder über 5 Jahre. Unterbringung bei sesshaften Familien zur christlichen Erziehung.

⚡ Der entlarvte Mythos: »Roma stehlen Kinder«

Dieses Gerücht entstand, weil verzweifelte Eltern versuchten, staatlich geraubte eigene Kinder heimlich zurückzuholen! Ein klassisches Falschbild — erzeugt durch staatliches Unrecht selbst.

Weitere Verbote — Josef II. (1783)

Heirat zwischen Roma verboten. 24 Stockschläge für den Gebrauch des Romanes.

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05
Symbolic background

Bürokratischer Antiziganismus

1880–1938 — Erfassung, Überwachung, Sesshaftigkeitsfalle

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Verwaltete Ausgrenzung

Bürokratischer Antiziganismus 1880–1938

Bayerische Zigeunerzentrale (1899)

Erste systematische Behörde zur Überwachung von Roma in Deutschland.

Alfred Dillmanns Zigeunerbuch (1905)

Rassenregister mit 3.350 Personen. Grundlage für bürokratische Verfolgung im 20. Jh.

Die Sesshaftigkeitsfalle

Staat forderte Ansiedlung — Gemeinden verweigerten aber Wohnrecht und Gewerbelizenzen. Familien wurden jahrzehntelang von Gemeinde zu Gemeinde abgeschoben.

Die Vagantitätsfalle

Erzwungenes Wandern wurde als 'natürliche Wanderlust' verleumdet. Ein strukturell erzeugtes Problem wurde als kulturelles Merkmal umgedeutet.

Vintage File Stack
AKTE
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Swiss Cross

Schweiz: Verfolgung der Fahrenden

1471 — Luzern
Verbot der Aufnahme von Roma
1510 — Zürich
Todesstrafe bei Rückkehr
1574 — Baden
Beschluss zur Ausrottung
Seit 1913
Grenzabweisung aller Roma-Familien
1942
Django Reinhardt an der Grenze zurückgewiesen
1945
Anton Reinhardt nach Ausschaffung erschossen

Hilfswerk für Kinder der Landstrasse (1926–1973)

Pro Juventute: Planmäßige Wegnahme jenischer Kinder. Kinder bis zu 12-mal umplatziert. Leiter: Alfred Siegfried — Vormund Hunderter Kinder. Zwangssterilisierungen aus eugenischen Gründen.

1986: Entschuldigung durch Bundespräsident Egli.

Entschädigung: CHF 2.000 bis 20.000 pro Person.

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Background Texture
06

Der Porajmos

Das Verschlingen

Der nationalsozialistische Völkermord — 1933–1945

Memorial Candle
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Systematische Vernichtung

Der Porajmos — 1933–1945

Pseudowissenschaftliche Grundlage

Dr. Robert Ritter und die Rassenhygienische Forschungsstelle. Sinti und Roma als 'erblich minderwertig und asozial' eingestuft.

Auschwitz-Birkenau

Eigens errichtetes Zigeunerlager. Über 20.000 Roma deportiert. Nacht vom 2./3. August 1944: über 4.300 Menschen vergast.

Dr. Mengeles Experimente

Grausame Menschenversuche an Roma-Kindern. Viele Haupttäter blieben unbestraft.

500.000–600.000

Ermordete Roma in Europa

Gesamter Besitz geraubt — bis zu Goldzähnen der Toten.

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07
Broken Scales

Die Zweite Verfolgung

Nachkriegszeit — Kontinuität des Unrechts

1945
Broken Chain
Das Ende des Krieges bedeutete nicht das Ende der Verfolgung.
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Broken Scales

Unrecht nach 1945

Die Zweite Verfolgung — Kontinuität des Unrechts

Romani Rose: Zweite Verfolgung

Ehemalige NS-Täter blieben oft als Experten in Behörden tätig. NS-Akten wurden weiterhin zur Überwachung genutzt.

Das Schandurteil des BGH (1956)

Bundesgerichtshof lehnte Entschädigungen ab. Rassistische Begründung: Verfolgung bis 1943 sei 'legitime Präventivmaßnahme' gewesen.

»...ungehemmter Okkupationstrieb wie bei primitiven Urmenschen«

Späte Anerkennung

1980: Bundesregierung erkennt Porajmos als Völkermord an — nach Hungerstreik im ehemaligen KZ Dachau. 2015/2016: Offizielle Entschuldigung durch den BGH.

Entschädigungszahlungen

Überlebende erhielten Zahlungen oft erst 20–30 Jahre nach Kriegsende. Viele Täter wurden nie zur Verantwortung gezogen.

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08

Antiziganismus heute

Zwischen Ausgrenzung und Widerstand

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Antiziganismus im 21. Jahrhundert

60,4 %
der Deutschen unterstellen Roma Kriminalitätsneigung
Quelle: Leipziger Studie 2018
49,2 %
wollen Roma aus Innenstädten verbannen
3 von 9 Opfern
des Anschlags in Hanau (2020) waren Roma — antiziganistische Dimension kaum thematisiert.

Medien und Sprache

Berichte über 'Bettlerbanden' und 'Clans' befeuern Klischees. Begriff 'Zigeuner' in Alltag und Kultur weiterhin präsent.

Rechtliche Lage in der EU

Roma in vielen EU-Ländern weiterhin diskriminiert. Ghettoisierung, Schulausschluss, fehlender Zugang zu Wohnraum und Arbeit.

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Abstract Background

Empowerment & Bürgerrechte

Widerstand, Organisationen & kulturelle Selbstbehauptung

Icon

Bürgerrechtsbewegung

1980: Hungerstreik im KZ Dachau erzwang Anerkennung des Völkermords. Romani Rose & Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg).

Icon

Organisationen

Internationale Romani Union (UNO-Konsultativstatus). RomaniPhen — feministische Roma-Organisation. SintiRomaPride — Sichtbarkeit & Aufklärung. Romano Dialog Schweiz, 1999.

Icon

Kulturelle Selbstbehauptung

Musik: Flamenco, Zigeunerjazz (Django Reinhardt), Roma-Orchester. Pilgerfahrten: Les Saintes-Maries-de-la-Mer. Literatur, Film & Kunst als Stimme der Gemeinschaft.

Icon

Radgenossenschaft der Landstrasse (Schweiz)

Dachorganisation der Jenischen seit 1975. Zeitschrift Scharotl. Einsatz für Stellplätze, Rechte und Erinnerungsarbeit.

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Watermark

FAZIT

Antiziganismus ist kein Problem der Roma —
es ist ein konstruiertes Problem der Mehrheitsgesellschaft.
Die Geschichte zeigt eine systematische, von Staat, Kirche und Wissenschaft getragene Verfolgung über Jahrhunderte.
Vorurteile und Stereotype sind oft staatlich erzeugt worden — und werden bis heute reproduziert.
Anerkennung beginnt mit dem Wissen um diese Geschichte.
Roma bedeutet: Menschen.
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Antiziganismus: Chronik der Roma von Indien bis Heute

Erfahren Sie mehr über die Geschichte der Sinti und Roma: Von den indischen Wurzeln über den Porajmos bis hin zur modernen Bürgerrechtsbewegung.

ANTIZIGANISMUS

Chronik der Roma

Von Indien bis in die Gegenwart

Roma bedeutet: Menschen

01

Identität, Sprache & Herkunft

Wer sind die Roma? Woher kommen sie?

Wer sind die Roma?

Flagge der Roma

Hymne: Djelem, Djelem

Der Name Roma

Roma bedeutet in Romanes: Menschen. Eigenbenennung – kein Fremdwort.

Sinti & Roma

Sinti: seit dem 15. Jh. in West- und Mitteleuropa. Roma: Oberbegriff aller Romanes-sprechenden Gruppen. Jenische: eigene fahrende Gruppe in DACH und Frankreich.

Weltweite Verbreitung

8–10 Millionen Roma weltweit. Mehrheit in Osteuropa, ca. 2 Mio. in Rumänien. Auch in Amerika und Australien.

Flagge & Hymne

Flagge: rotes Rad (Chakra) auf blau-grünem Grund. Hymne: Djelem, Djelem

Sprache: Romanes & das Schimpfwort

Romanes – Indische Wurzeln

Im 18. Jh. erkannt: Romanes eng verwandt mit Sanskrit. Übereinstimmungen mit Dialekten Nordwestindiens.

Lehnwörter zeigen den Migrationsweg

Persisch, Türkisch, Griechisch, Slawisch im Romanes. Belegen Stationen: Persien → Türkei → Balkan → Europa.

Sprachliche Unterdrückung

Kaiser Josef II. verbot 1783 den Gebrauch des Romanes. Strafe: 24 Stockschläge bei Zuwiderhandlung.

Der Begriff »Zigeuner«

Abgeleitet von griechisch: Atsinganoi = die Unberührbaren. Für viele Sinti & Roma: ein Schimpfwort, verbunden mit Gewalt und Verfolgung.

Herkunft aus Indien & Ankunft in Europa

800–1500 n. Chr.

02

Die Wanderung aus Indien

Ursprung: Nordwestindien

Zwischen 800 und 1000 n. Chr. Verlassen der Heimat. Vermutlich infolge kriegerischer Vertreibungen.

Der lange Weg nach Europa

Via Persien → Türkei → Griechenland → Balkan → Mitteleuropa. Einige Gruppen über Russland nach Skandinavien.

Nomadischer Lebensstil

Fahrende Schmiede, Händler, Musiker, Schausteller. Flucht vor Krieg und Suche nach Erwerb als Motive.

Vergessene Herkunft

Die Wanderung war so langsam, dass das Wissen um den indischen Ursprung in mündlicher Überlieferung verloren ging.

Ankunft in Europa – gesicherte Daten

1346

Roma in Korfu

1378

Roma in Zagreb

1407

Roma in Hildesheim

erste Belege im deutschsprachigen Raum

1418

Roma in Zürich und Graubünden

1422

Roma in Bologna

1427

Roma in Paris

1447

Roma in Barcelona

Der Geleitbrief Kaiser Sigismunds

1423 — Erster kaiserlicher Schutzbrief für Roma

Kaiserlicher Schutz

Sigismund stellte Anführer Ladislaus Waynoda unter kaiserlichen Schutz. Garantierte eigene Gerichtsbarkeit.

Erste positive Aufnahme

Chronisten: Roma erschienen als wohlhabend, mit stattlichen Pferden. Zunächst gastfreundlich empfangen.

Aber: Toter Buchstabe

Schutz wurde von lokalen Behörden kaum umgesetzt. Stimmung schlug rasch um — Neid der Zünfte, Türkenangst.

"Der erste Schutz – und sein schnelles Scheitern."

03

Erste Verfolgungswellen in Europa

15. bis 17. Jahrhundert

Vom Schutz zur Vogelfreiheit

15.–16. Jahrhundert: Ächtung & staatliche Gewalt

Neid & Konkurrenz

Zünfte sahen Roma als Konkurrenz. Kein Platz in der mittelalterlichen Ständegesellschaft. Diffamierung als Spione des Sultans. Wachsende Türkenangst richtete sich gegen Roma.

Reichstage Lindau & Freiburg (1497/1498)

Sinti und Roma offiziell für vogelfrei erklärt. Gewalt gegen sie galt als kein Unrecht mehr — straffreie Tötung möglich.

Martin Luther (1543)

Forderte in 'Von den Juden und ihren Lügen' Sinti & Roma für vogelfrei zu erklären. Warf ihnen fälschlich Kinderdiebstahl und Brunnenvergiftung vor.

Staatliche Grausamkeiten

17. Jahrhundert — Europa

Frankreich unter Ludwig XIV. (1682)

Männer lebenslang als Rudersklaven auf Kriegsgaleeren. Frauen kahl geschoren. Kinder in Armenhäuser deportiert.

Warntafeln an Grenzen (»Zigeunerstrafe«)

1. Vergehen: Auspeitschen, Brandmarkung, Landesverweis. 2. Vergehen: Aufhängen oder Rädern ohne Gerichtsverfahren.

Spanien — Carlos II. & Felipe V.

König Carlos II. (1695): nomadische Gitanas zum Tod verurteilt. König Felipe V. (1749): Augenausstechen bei Nomaden befohlen.

Bayern 1516

Fahrende offiziell für vogelfrei erklärt. Jeder durfte Roma ohne Gerichtsverfahren töten.

04

Zwangsassimilation &

Identitätsraub

18. Jahrhundert

Politik der erzwungenen Anpassung

Politik der erzwungenen Anpassung

18. Jahrhundert — Maria Theresia & Josef II.

Maria Theresia & Josef II.

Roma wurden in »Neubauern« umbenannt. Eigene Sprache und Kleidung verboten.

Systematischer Kinderraub ab 1773

27. November 1767: Befehl zur Wegnahme aller Kinder über 5 Jahre. Unterbringung bei sesshaften Familien zur christlichen Erziehung.

⚡ Der entlarvte Mythos: »Roma stehlen Kinder«

Dieses Gerücht entstand, weil verzweifelte Eltern versuchten, staatlich geraubte eigene Kinder heimlich zurückzuholen! Ein klassisches Falschbild — erzeugt durch staatliches Unrecht selbst.

Weitere Verbote — Josef II. (1783)

Heirat zwischen Roma verboten. 24 Stockschläge für den Gebrauch des Romanes.

05

Bürokratischer Antiziganismus

1880–1938 — Erfassung, Überwachung, Sesshaftigkeitsfalle

Verwaltete Ausgrenzung

Bürokratischer Antiziganismus 1880–1938

Bayerische Zigeunerzentrale (1899)

Erste systematische Behörde zur Überwachung von Roma in Deutschland.

Alfred Dillmanns Zigeunerbuch (1905)

Rassenregister mit 3.350 Personen. Grundlage für bürokratische Verfolgung im 20. Jh.

Die Sesshaftigkeitsfalle

Staat forderte Ansiedlung — Gemeinden verweigerten aber Wohnrecht und Gewerbelizenzen. Familien wurden jahrzehntelang von Gemeinde zu Gemeinde abgeschoben.

Die Vagantitätsfalle

Erzwungenes Wandern wurde als 'natürliche Wanderlust' verleumdet. Ein strukturell erzeugtes Problem wurde als kulturelles Merkmal umgedeutet.

Schweiz: Verfolgung der Fahrenden

1471 — Luzern

Verbot der Aufnahme von Roma

1510 — Zürich

Todesstrafe bei Rückkehr

1574 — Baden

Beschluss zur Ausrottung

Seit 1913

Grenzabweisung aller Roma-Familien

1942

Django Reinhardt an der Grenze zurückgewiesen

1945

Anton Reinhardt nach Ausschaffung erschossen

Hilfswerk für Kinder der Landstrasse (1926–1973)

Pro Juventute: Planmäßige Wegnahme jenischer Kinder. Kinder bis zu 12-mal umplatziert. Leiter: Alfred Siegfried — Vormund Hunderter Kinder. Zwangssterilisierungen aus eugenischen Gründen.

1986: Entschuldigung durch Bundespräsident Egli.

Entschädigung: CHF 2.000 bis 20.000 pro Person.

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Der Porajmos

Das Verschlingen

Der nationalsozialistische Völkermord — 1933–1945

Systematische Vernichtung

Der Porajmos — 1933–1945

Pseudowissenschaftliche Grundlage

Dr. Robert Ritter und die Rassenhygienische Forschungsstelle. Sinti und Roma als 'erblich minderwertig und asozial' eingestuft.

Auschwitz-Birkenau

Eigens errichtetes Zigeunerlager. Über 20.000 Roma deportiert. Nacht vom 2./3. August 1944: über 4.300 Menschen vergast.

Dr. Mengeles Experimente

Grausame Menschenversuche an Roma-Kindern. Viele Haupttäter blieben unbestraft.

500.000–600.000

Ermordete Roma in Europa

Gesamter Besitz geraubt — bis zu Goldzähnen der Toten.

Die Zweite Verfolgung

Nachkriegszeit — Kontinuität des Unrechts

07

1945

Unrecht nach 1945

Die Zweite Verfolgung — Kontinuität des Unrechts

Romani Rose: Zweite Verfolgung

Ehemalige NS-Täter blieben oft als Experten in Behörden tätig. NS-Akten wurden weiterhin zur Überwachung genutzt.

Das Schandurteil des BGH (1956)

Bundesgerichtshof lehnte Entschädigungen ab. Rassistische Begründung: Verfolgung bis 1943 sei 'legitime Präventivmaßnahme' gewesen.

»...ungehemmter Okkupationstrieb wie bei primitiven Urmenschen«

Späte Anerkennung

1980: Bundesregierung erkennt Porajmos als Völkermord an — nach Hungerstreik im ehemaligen KZ Dachau. 2015/2016: Offizielle Entschuldigung durch den BGH.

Entschädigungszahlungen

Überlebende erhielten Zahlungen oft erst 20–30 Jahre nach Kriegsende. Viele Täter wurden nie zur Verantwortung gezogen.

08

Antiziganismus heute

Zwischen Ausgrenzung und Widerstand

Antiziganismus im 21. Jahrhundert

60,4 %

der Deutschen unterstellen Roma Kriminalitätsneigung

Quelle: Leipziger Studie 2018

49,2 %

wollen Roma aus Innenstädten verbannen

3 von 9 Opfern

des Anschlags in Hanau (2020) waren Roma — antiziganistische Dimension kaum thematisiert.

Medien und Sprache

Berichte über 'Bettlerbanden' und 'Clans' befeuern Klischees. Begriff 'Zigeuner' in Alltag und Kultur weiterhin präsent.

Rechtliche Lage in der EU

Roma in vielen EU-Ländern weiterhin diskriminiert. Ghettoisierung, Schulausschluss, fehlender Zugang zu Wohnraum und Arbeit.

Empowerment & Bürgerrechte

Widerstand, Organisationen & kulturelle Selbstbehauptung

Bürgerrechtsbewegung

1980: Hungerstreik im KZ Dachau erzwang Anerkennung des Völkermords. Romani Rose & Zentralrat Deutscher Sinti und Roma (Heidelberg).

Organisationen

Internationale Romani Union (UNO-Konsultativstatus). RomaniPhen — feministische Roma-Organisation. SintiRomaPride — Sichtbarkeit & Aufklärung. Romano Dialog Schweiz, 1999.

Kulturelle Selbstbehauptung

Musik: Flamenco, Zigeunerjazz (Django Reinhardt), Roma-Orchester. Pilgerfahrten: Les Saintes-Maries-de-la-Mer. Literatur, Film & Kunst als Stimme der Gemeinschaft.

Radgenossenschaft der Landstrasse (Schweiz)

Dachorganisation der Jenischen seit 1975. Zeitschrift Scharotl. Einsatz für Stellplätze, Rechte und Erinnerungsarbeit.

FAZIT

Antiziganismus ist kein Problem der Roma —

es ist ein konstruiertes Problem der Mehrheitsgesellschaft.

Die Geschichte zeigt eine systematische, von Staat, Kirche und Wissenschaft getragene Verfolgung über Jahrhunderte.

Vorurteile und Stereotype sind oft staatlich erzeugt worden — und werden bis heute reproduziert.

Anerkennung beginnt mit dem Wissen um diese Geschichte.

Roma bedeutet: Menschen.

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