Geschlechterrollen in Märchen: Aschenputtel vs. Schneekönigin
Wissenschaftliche Analyse der literarischen Darstellung von Männern und Frauen in Märchen. Vergleich von Grimm und Andersen unter Gender-Aspekten.
Die literarische Darstellung von Männern und Frauen in Märchen
Eine vergleichende Analyse von 'Aschenputtel' und 'Die Schneekönigin'
Bahar Odis | Betreuer: Ulrike Wilke | 12.11.2025
Agenda der Präsentation
1. Einleitung & Forschungsfrage
2. Theoretischer Hintergrund: Märchen & Gender
3. Methodik der Analyse
4. Fallanalyse: Aschenputtel vs. Die Schneekönigin
5. Diskussion & Fazit
Begriff und Funktion des Märchens
Nach Max Lüthi ist das Märchen eine 'einfach geformte Erzählung mit typisierten Figuren und schematischer Handlung', in der das Wunderbare selbstverständlich ist.
Funktion: Vermittlung von Werten, Belohnung von Tugenden (Mut, Gerechtigkeit) und Bestätigung moralischer Normen.
Geschlechterrollen in der Literaturgeschichte
Historisch dominierten patriarchale Strukturen. Erst in der Moderne wandeln sich die Bilder von 'Passiv/Schön' hin zu 'Reflektiert/Selbstbestimmt'.
Methodik: Analytischer Ansatz
Hermeneutische Textanalyse nach Mayring
Aktivität vs. Passivität (Handlungsinitiative)
Emotionalität (Ausdruck von Gefühlen)
Soziale Rolle & Moralische Bewertung
Analyse: Aschenputtel (Grimm, 1812)
Weibliche Figur: Passiv, duldend, fromm, rein. Idealisiert durch Demut.
Männliche Figur (Prinz): Reagiert nur auf Schönheit/Tugend, bleibt passiv in der Rettung.
Symbolik: Goldener Schuh als Legitimation, Rettung durch äußere (göttliche) Gnade.
Analyse: Die Schneekönigin (Andersen, 1844)
Weibliche Figur (Gerda): Aktiv, mutig, empathisch. Die Heldin als Retterin.
Männliche Figur (Kay): Emotional entfremdet, rationalisiert, bedarf der Rettung.
Symbolik: Eis/Spiegel (Kälte, Verstand) vs. Tränen/Rosen (Wärme, Emotion). Heilung durch Liebe.
Vergleich der weiblichen Hauptfiguren
Die Gegenüberstellung verdeutlicht die Umkehrung der Attribute: Was bei Aschenputtel Tugend ist (Passivität), wird in der Schneekönigin überwunden.
Diskussion der Ergebnisse
Wandel der Geschlechterbilder: Von hierarchischen (Grimm) zu egalitären und transformativen Strukturen (Andersen).
Männlichkeit: Nicht mehr hegemonial, sondern verletzlich und auf weibliche emotionale Kompetenz angewiesen.
Kulturelle Bedeutung: Märchen dienen nicht nur der Tradierung, sondern auch der Reflexion und Subversion von Normen.
Fazit und Ausblick
Märchen formen Geschlechterbilder aktiv. Der Vergleich zeigt den Übergang vom normstabilisierenden zum selbstreflexiven Erzählen.
Relevanz heute: Analyse moderner Adaptionen und Förderung kritischer Medienkompetenz.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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